Oktober 2020 – Der Ginkgo (Ginkgo biloba)

Besonderheiten: Weder Laub- noch Nadelbaum, passt der Ginkgo in keine der gängigen Pflanzenfamilien oder -ordnungen. Er ist ein ‚lebendes Fossil‘, das schon vor etwa 200 Millionen – gemeinsam mit Farnen – die Erde begrünte und sich unverändert erhalten hat. Die Art überlebte in Asien und hat sich von dort wieder verbreitet.

Ein herbstlicher Ginkgo im Wernhaldenpark (Stuttgart-Süd)

Die Besonderheit des Gingko erkennt man an den Blättern: Alle Blattadern gehen von einem Punkt am Stil aus und sind nicht verzweigt wie bei den Laubbäumen. Zudem sind die Blätter oft in der Mitte geteilt, also zweilappig (biloba). Ginkgos sind zweihäusig, d.h. es gibt männliche und weibliche Bäume. In den Städten werden vorzugsweise die männlichen Exemplare angepflanzt, weil die reifen Früchte der weiblichen Bäume einen unangenehmen Geruch von ranziger Butter verbreiten. Allerdings ist das Geschlecht junger Bäume kaum zu erkennen.

Baum und Mensch: Die Heilkräfte des Ginkgo waren schon in seinem Herkunftsland China bekannt und wurden durch wissenschaftliche Forschung bestätigt: Der Extrakt aus den Blättern steigert die Durchblutung des Gehirns und der Beine sowie die Sauerstoffversorgung der Gefäße, ohne Nebenwirkungen. Medikamente auf der Grundlage von Ginkgo-Extrakt gelten als pflanzliches Mittel gegen Demenz.

Kulturgeschichte / Mythen: In der Kulturgeschichte Chinas und Japans ist der Ginkgo fest verwurzelt. Er gilt als heiliger Baum und überdauerte vor allem in den Wäldern, die japanische Tempel umgeben. Dort entdeckten ihn europäische Naturforscher um 1690. Er soll Schutz vor Feuer und Unheil versprechen. Und er kann Feuer und Stürmen widerstehen: In Hiroshima steht nur 800 Meter vom Zentrum der Atombombenexplosion von 1945 entfernt ein Ginkgobaum, der natürlich verkohlt und teilweise verbrannt war. Im folgenden Frühjahr trieb er wieder aus und tut das offenbar noch heute.

J.W. Goethe: „GINGO BILOBA“ [sic] aus dem Westöstlichen Divan (Hamburger Ausgabe, Bd 2, S. 66)

Um1730 kamen die Ginkgobäume in die botanischen Gärten Europas, faszinierten auch den Naturforscher Goethe und inspirierten ihn zu einem seiner bekanntesten Gedichte. Im gespaltenen Blatt, das auch einer Herzform ähnelt, sah er ein Symbol für die Doppelheit in der Einheit. Diese kann stehen für die Einheit zweier Liebender (Goethe schickte das Gedicht 1815 an eine Angebetete) sowie generell für Goethes Anliegen, in der Kunst die ursprüngliche Einheit des Menschen wieder herzustellen.

Klimaverträglichkeit/GALK: Der Ginkgo ist sehr robust gegen Umweltverschmutzung und widerstandsfähig sowie frosthart. In Manhattan sind Ginkgos offenbar die häufigsten Stadtbäume an den schadstoffbelasteten Straßen; und auch in Berlin soll es um die 3000 Exemplare geben.

Nachteile: Von Nachteil für Straßenzüge sind lediglich die reifen Früchte der weiblichen Bäume wegen ihres unangenehmen Geruchs. Meistens gelingt es aber, diese rechtzeitig auszusortieren.

Mehr zum Ginkgo in dem lesenswerten Buch: Laudert, Doris: Mythos Baum. Geschichte, Brauchtum, 40 Baumporträts. München/Wien/Zürich: BLV Verlagsgesellschaft, 6., durchges. Aufl. 2004, S. 224-227.

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